"very small inclusions"


Werkstoff: Glassplitter

Entstehungsjahr: 2016

 

In diesen kristallähnlichen Glasstücken befinden sich dünne, schwarze Linien, die feine Zeichnungen ergeben. Auf den ersten Blick sehen die schwarzen Linien wie Einschlüsse im Stein aus. Erst beim genaueren Hinsehen, sieht man, dass es Bilder sind, die wie Fragmente aus Erinnerungen wirken.

Der Titel für diese Arbeit lautet „ very small Inclusions“.

Das ist eine Wertbezeichnung für Diamanten mit kleinen Einschlüssen, die mit 10facher Vergrösserung fein zu erkennen sind. Der Bezug zum Edelstein ist für mich als Goldschmiedin sehr nahe.

 

Die Bilder und deren Geschichte sind verborgen im Stein, nicht sofort sichtbar, so wie vieles auf den ersten Blick verborgen bleibt und erst beim genauen schauen erkennt man deren Wert.

Oft ist es doch so, dass man erst beim stehenbleiben, zuhören, genau hinsehen den vielen Geschichten lauschen kann, die es zu erzählen gibt. Die sonst nicht wahrgenommen werden und sich verlieren.

 

 

 

Geschichten, die mal wichtig waren

Ich habe ein halbes Jahr in einem Altersheim gearbeitet. Dort ist so viel wertvolles Wissen und Lebenserfahrung auf engstem Raum komprimiert, aber ihnen wird kaum noch Beachtung geschenkt. Die alt gewordenen Menschen sterben und ein Wissensschatz geht verloren.

Die Frage steht im Raum was geht und was bleibt?

Als Platzhalter für den an sich unmöglichen Akt vergangene Momente und Geschichten des Lebens einzufangen, suchte ich alte Bilder meinen und meines Mannes verstorbenen Grosseltern und zeichnete deren Umrisse ganz fein auf. Nur wie ein Dunst oder ein Hauch von dem was mal war. Ein Abklatsch von einer Geschichte, die mal wichtig war.

Ich packte die Zeichnungen in die Glasssplitter und baute je einen Stein für sie. Ein ansich unmögliche Akt des Festhaltens, des Versteinerns, des Verewigens.

Scharfe Kanten

Die Steine sind Bruchstücke von massiven Glassteinen, die ich zuvor in einem gewaltsamen Akt zerschmettern liess.

So schön wie die Erinnerungen sind, so schmerzhaft sind sie auch…so sind auch meine Strukturen. Sie haben etwas anmutiges, schönes an sich, aber doch können sie durch ihre scharfen Kanten verletzten.

Zuerst haben ich mich aus rein Dokumentarischen Gründen beim zerschmettern der Steine filmen lassen. Mir wurde aber gegen den Schluss der Arbeit immer mehr klar, dass ich diesen Akt auch zeigen möchte um diesem Teil der Arbeit mehr Gewicht zu geben. Es geht nicht um den Akt des Zerstörens, sondern um das Gefühl, des zerstört Werdens, der absoluten Verzweifelns, Hilflosigkeit und Ohnmacht. Alles zerbricht und man glaubt, es geht nicht mehr weiter. Und es endet nie. Und doch geht es weiter. Meistens.

Umso die Brücke zurück zu schlagen. Was vergeht und was bleibt. Meine Grosseltern sind jetzt verstorben, aber doch haben sie meine Eltern sehr geprägt, nicht nur durch die DNA. Und meine Eltern haben wiederum mich sehr geprägt und mein Mann und ich unsere Söhne.